KaninchenInfo EU


 

Informieren - aber wie?

 


Möchte man sich über Kaninchen informieren, ist dies gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Zwar hat jeder Mensch sicherlich so seine Vorstellungen, welche Eigenschaften und Ansprüche Kaninchen haben, allerdings sollte man als zukünftiger, wie auch als bereits aktiver Kaninchenhalter einmal diese Vorstellungen auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt überprüfen.

Bemüht man sich um Information, ist die Palette der Informationsquellen weit gestreut und reicht vom "Züchter nebenan" über den Zoohandel bis hin zu Literatur und Internetrecherche.

Hierbei bekommt man allerdings vielfach deutlich widersprüchliche Informationen.

So kommt es, das man als Halter oft im guten Vertrauen auf die Aussagen des vermeintlichen "Fachmanns" seinen Tieren Gutes tun möchte, allerdings unbeabsichtigt genau das Gegenteil davon tut.

Grund genug, sich dezidiert den Quellen diverser Aussagen zuzuwenden und diese einmal kritisch zu betrachten.


Kaninchen verstehen...

Der Schlüssel zum Verständnis der Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Kaninchen liegt eigentlich ganz nahe, obwohl er interessanterweise am seltensten herangezogen wird.

Die Wildkaninchen.

Wer sonst, als ein Kaninchen kann bessere Auskünfte darüber geben, welche Bedürfnisse ein Kaninchen hat und welche Bedürfnisse ein Kaninchen nicht hat.

Die Verhaltensforschung (Ethologie) bedient sich verschiedener Methoden, um herauszufinden, welche Bedürfnisse und welche damit verbundenen Verhaltensweisen für eine Tierart wichtig sind. Grundlage für solche Forschungen bildet das Beobachten einer Tierart in ihrem natürlichen Lebensraum und / oder in einer naturnah gestalteten Versuchshaltung.

Aufgrund solcher Forschungsarbeiten wissen wir heute, wie die Tiere leben, welche Verhaltensformen bei Kaninchen vorkommen, warum sie dieses Verhalten zeigen und welche Bedürfnisse sie haben.

Aber auch ohne die Lektüre umfangreicher wissenschaftlicher Arbeiten und Beobachtung von Wildkaninchen in ihrem natürlichen Lebensumfeld lassen sich viele Aussagen sogenannter "Kaninchenexperten" schnell ad absurdum führen, wenn man zum Einen ihren Wahrheitsgehalt einmal am Wildkaninchen "überprüft", zum Anderen kritisch hinterfragt, welche Gründe diversen Aussagen zugrunde liegen.

 


Zoohandel

Hier muss man sich immer darüber im klaren sein, das das primäre Interesse eines Händlers der "Warenumsatz" ist und keinesfalls das Aufklären über die Bedürfnisse der Tiere. So kann und darf man denn auch keinesfalls eine qualifizierte Beratung über die Eigenheiten und Bedürfnisse der Tiere erwarten, sondern muss sich bewusst sein, das hier ausschließlich Verkaufsgespräche geführt werden.

Sicherlich wird niemand von einem Autohändler erwarten, das der jeweilige Verkäufer ein Interesse daran haben könnte, wie der Kunde nach Bezahlung des Kaufpreises mit seinem erworbenen Auto umgeht. Ebenso wenig hat ein Verkäufer im Zoohandel ein Interesse daran, seine "Ware" nur in gute und artgerechte Haltung abzugeben.

Ein typisches Beispiel:

Kaninchen leben in freier Natur in großen Kolonien und haben ein sehr komplexes Sozialverhalten.

Keinesfalls leben sie einzeln oder gar in einer Symbiose mit anderen Tieren.

Wildkaninchen leben gesellig mit Artgenossen in Kolonien.
Eine Kolonie besteht aus mehreren Männchen und Weibchen.
Durchaus begegnen Wildkaninchen auch anderen Tierarten.
Keinesfalls leben sie aber einzeln mit einer anderen Tierart zusammen.

Trotzdem leiden immer noch tausende von Heimkaninchen und Meerschweinchen durch Einzelhaltung oder die Haltung in einer Zwangsgemeinschaft von einem Kaninchen und einem Meerschweinchen. Dabei handelt es sich bei beiden Tierarten um soziale Tiere mit einem hochkomplexen Verhaltensrepertoire. Entsprechend brauchen Kaninchen Kontakt zu Artgenossen. Weder der Mensch, noch ein Meerschweinchen kann einen Artgenossen ersetzen, ein Einzeln oder nur mit einem Meerschweinchen gehaltenes Kaninchen leidet unter der Isolation.

Nicht grundlos zählt die Isolationshaft beim Menschen bereits zur Folter, Einzelhaltung von Kaninchen ist daher Tierquälerei!

 

Geht man nun dem Ursprung dieser Haltungsform nach, findet man diesen in einem Verkaufskonzept des Zoohandels.

Bestünde Interesse an den Bedürfnissen der Tiere würde man Kaninchen frühestens mit 10 Wochen von der Mutter trennen, auch wenn sie dann nicht mehr "klein und niedlich" sind und so dem Kindchenschema der potentiellen Käufer entsprechen. Selbstverständlich müsste man die Geschlechterbestimmung beherrschen, Rammler kastrieren, sowie die zwingend erforderliche Kastrationsfrist abwarten und Paare oder Gruppen entsprechend vergesellschaften.

Diese Mehrkosten ist man allerdings nicht bereit zu tragen, ergo wurde das Verkaufsmodell "Ein Kaninchen mit einem Meerschein" entwickelt. So lässt sich dann mit wenig Aufwand ein maximaler wirtschaftlicher Gewinn erzielen. Das beide Tierarten sich in der freien Natur nicht einmal begegnen würden, wird völlig ignoriert. Das Ergebnis ist ein oftmals lebenslanges Leiden der Tiere.

Wohl kaum jemand käme auf die Idee, ein Kaninchen zusammen mit einer Schildkröte zu halten.
genauso widernatürlich ist die Haltung einen einzelnen Kaninchens mit einem einzelnen Meerschweinchen.

Entsprechend fallen auch die Informationen über Platzbedarf, notwendiges Futter etc. aus, hier sollen ausschließlich Waren (Käfige, Trockenfutter, etc.) umgesetzt werden.

Kaninchen - wie auch alle anderen Kleintiere - sind weder für eine Haltung in kleinen Käfigen oder Ställen geeignet, noch sind sie die anspruchslosen Schmusetiere, als das sie in bewusster Irreführung der potentiellen Kunden vermarktet werden.

Wie in jeglichem anderen Handel auch, geht es im Zoohandel keinesfalls um das Vermitteln biologischer Fakten oder gar das Wohl der Tiere, sondern ausschließlich um das Erzielen von wirtschaftlichem Gewinn.

Den Preis zahlen die Tiere mit oft frühem Tod und lebenslangem Leid!

 

Welchen "Wert" die Tiere im kommerziellen Handel besitzen, zeigt sich sehr deutlich am Schicksal der nicht verkauften Tiere.

Typisches Angebot eines Frostfutterhändlers Das Ende vieler Kaninchen des kommerziellen Tierhandels.

Hier sollte man sich trotz aller Werbung und nett aufgemachter Ladengeschäfte daher immer darüber im Klaren sein, dass Tiere nur und ausschließlich Handelswaren sind und dem Erzielen von wirtschaftlichem Gewinn dienen.


Züchter und Vermehrer

Auch hier sollte man sich klar machen, das eine Haltung von Kaninchen noch lange nicht mit Kenntnissen oder gar Interesse an deren artgerechter Haltung gleichzusetzen ist.

Grundsätzlich unterscheiden muss man hier zwischen organisierten Züchtern und privaten Hobbyzüchtern,  die eigentlich eher als "Vermehrer", denn als "Züchter" zu betrachten sind.

In der Regel liegt das primäre Interesse von organisierten Züchtern in der "Produktion" von Tieren, die willkürlichen - von Menschen festgelegten - äußeren Erscheinungsmerkmalen entsprechen. Diese Tiere werden dann auf Ausstellungen präsentiert und anhand dieser Merkmale "bewertet". Hierfür bekommt der Züchter dann Pokale oder Auszeichnungen.

Der Wert des Lebens oder die Besonderheit des individuellen Tieres sind bei Vertretern dieser absolut lebensverachtenden Ideologie von "Rasse" und "Rassestandards" von keinerlei Interesse.

Das Halten von Kaninchen in kleinen Boxen, das Transportieren zu Ausstellungen und das Präsentieren der Tiere, was für diese erheblichen Stress bedeutet, ist ausschließlich im Interesse des Züchters selber, von artgerechter Haltung oder Interesse am Wohl der Tiere ist dies weit entfernt. Vielmehr geht es den so genannten "Rassezüchtern" um die Kompensation persönlicher Defizite durch Erringung von "Zuchtpokalen".

So ist gerade bei Züchtern die Einzelhaltung von Kaninchen in kleinen Ställen ohne Auslauf oder Bewegungsmöglichkeit der Regelfall, da ein evtl. durch das arttypische Jagen der Tiere ausgerissener Fellbüschel bereits zu "Punktabzug" führen würde.

Da die nicht diesen dubiosen "Rassestandards"  entsprechenden Tiere für den Züchter keinerlei "Wert" besitzen, werden diese meist verschenkt, in Zooläden abgegeben oder auf Tiermärkten feilgeboten, ansonsten auf anderem Wege "entsorgt".

So ist sowohl bei Züchtern, als auch bei Hobbyzüchtern oder Vermehrern  keinerlei Interesse an den Bedürfnissen der Tiere zu erwarten, da es lediglich um ein "Loswerden" von nicht gewünschten Tieren geht. Haltung und Ernährung der Tiere orientieren sich im Regelfall ebenfalls an reiner Zweckmäßigkeit.

Jedes Tier ist ein Individuum und fasziniert auf seine ganz eigene Art. Entsprechend bietet die Natur Vielfalt und keine dubiosen "Rassestandards".

Der einzige Unterschied zwischen Züchtern und Vermehrern liegt daher lediglich im Fehlen der absolut lebensverachtenden "Rasseideologie" bei den so genannten "Vermehrern". Das einzelne Tier hat bei Züchtern und Vermehrern keinerlei Wert, allenfalls als Verkaufsobjekt zur Erzielung wirtschaftlichen Gewinns.

Insbesondere die organisierten Züchter verhindern mit ihre destruktiven Lobbyarbeit nicht nur jegliche Verbesserung der Haltungsbedingungen der Tiere, sondern vertreten und verbreiten mit ihrer Zucht- und Rasseideologie ein Gedankengut, das angewandt auf den Menschen und politisch umgesetzt zu den größten und unfassbarsten Verbrechen der Menschheit führte.

Rassekunde an einer deutschen Schule während der 1940er Jahre. Farbtafel zur Bestimmung der "Rasse".

Die dubiosen so genannten "Rassestandards" haben nicht nur zu etlichen Qualzuchten geführt, sondern stellen vor allem eine Ideologie dar, die den „Wert“ eines Menschen oder Tieres über ein willkürlich definiertes Erscheinungsbild definiert und jeglichen ethischen und moralischen Grundsätzen zuwiderläuft.

So genannter "Englischer Widder"
Diese armen Tiere können und dürfen nie ein artgerechtes Leben führen, sondern sollen nur einem kruden "Rassestandard" entsprechen.

 


Bücher und "Rat"geber

Wer kennt sie nicht, die kleinen "Ratgeber" mit allerlei bunten Bildern garniert. Allerdings werden hier mit Masse auch nur Klischeevorstellungen kolportiert und keinerlei kritisches Hinterfragen der "typischen" Kaninchenhaltung durchgeführt. So lesen sich die meisten dieser "Rat"geber eher wie ein Verkaufsprospekt des Zoohandels, wo diese Literatur ja letztendlich auch feilgeboten wird. Auch wenn sie teilweise inhaltlich schon ein wenig besser geworden sind, werden hier doch mit Masse Aussagen getroffen, die sich nicht an den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Insbesondere hinsichtlich der Ernähung werden hier in der Regel die Produkte der Futtermittelindustrie beworben, obwohl diese keinesfalls zum arttypischen Nahrungsspektrum gehören.

Ebenfalls sind Kaninchen selbstverständlich keinesfalls für die Haltung in Käfigen geeignet.

 

Auch werden Kaninchen noch vielfach als Spiel- und Kuscheltiere für Kinder "angepriesen", obwohl gerade Kaninchen - wie alle anderen Kleintiere - aufgrund ihrer Physiologie und ihrer arttypischen Verhaltensweisen als Flucht- und Beutetiere gerade für Kinder völlig ungeeignet sind.

 


Futtermittelindustrie

Zoohandel, Supermärkte etc. bieten eine große Palette von Futtermischungen an, diese reichen von so genanntem "Hauptfutter" über "Leckerlies", "Knabberstangen" und so genannten "Ergänzungsfutter" bis hin zu "Spezialfutter". Bunte Verpackungen mit niedlichen Tieren drauf, markige Werbesprüche und die Suggestion von angeblich "hochwertigen Inhaltsstoffen" sollen den Tierliebhaber zum Kauf animieren und ihn glauben machen, seinen Tieren hiermit auch noch etwas Gutes zu tun. Doch muss man sich klar vor Augen führen, dass hier keinesfalls die "Liebe zum Tier" im Vordergrund steht, sondern das Erzielen wirtschaftlichen Gewinns.

So geht es hier ausschließlich um Umsatzrenditen von Konzernen. Gemäß einer Statistik des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) e. V. wurden im Jahr 2008 an Futter für sonstige Heimtiere (Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten etc.) 118 Millionen Euro umgesetzt!

Entsprechend orientieren sich die angebotenen Produkte keinesfalls an den Bedürfnissen der Tiere, sondern ausschließlich an der Maximierung des wirtschaftlichen Ertrages!

In freier Natur fressen Kaninchen Gräser, Kräuter und Blätter von Gemüsepflanzen. Keinesfalls fressen Kaninchen in freier Natur irgendwelche Körner, Pellets oder sonstiges Trockenfutter.

Kaninchen ernähren sich in erster Linie von Gräsern, Kräutern, Rinden, Zweigen und - wenn sie diese erreichen - auch Blättern von Gemüsepflanzen.

Jegliche Form von Getreide (z. B. Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste) gehört nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum, da diese Körner nur für eine kurze Periode verfügbar und dann in einer Höhe von ca. 1 Meter für die Kaninchen ohnehin gar nicht erreichbar sind. Nur wenn vom Wind verwehte Körner auf den Boden fallen, könnten Kaninchen überhaupt an dieses sehr stärkereiche, aber zellulosearme Futtermittel herankommen - dann allerdings zu einer Jahreszeit, in der dieses energiereiche Futter gar keinen Sinn machen würde.

Im natürlichen Futtermittelspektrum gibt es auch keinerlei "Yoghurtdrops" oder "Kabberstangen mit Honig"

Kaninchen melken keine Kühe und sind auch keine Imker.

Typischer Bau einer Wildkaninchenkolonie.

Anatomisch und physiologisch sind sie dem Nahrungsspektrum ihrer Umwelt perfekt angepasst.

Weizen- und Haferkörner waren auf den Weltmärkten lange Zeit billige Futtermittel, die ansehnlich bearbeitet und attraktiv verpackt als Futter für Kaninchen und Meerschweinchen von der Futtermittelindustrie zu völlig überteuerten Preisen angeboten werden. Kaninchen und Meerschweinchen besitzen (leider) auch eine Präferenz für süße Dinge, weswegen diese Futtermittel gefressen werden.

Beide Tierarten sind mit sehr effizienten Kompensationsmechanismen ausgerüstet, mit denen zellulosehaltige Partikel aus dem Dickdarm retrograd ins Caecum (Blinddarm) zurücktransportiert werden können. Auf diese Weise kann diese viel zu energiereiche Stärkefütterung zunächst - äußerlich betrachtet - unbeschadet ausgeglichen werden.

Die langfristigen Folgen sind jedoch schwerwiegend!

Übergewichtige Tiere, die mit der Zeit bewegungsunlustig werden.

Tiere mit chronischen Durchfällen, die mit kotverschmiertem Fell im Anogenitalbereich gekennzeichnet sind.

Fliegenbefall in der Sommerzeit mit Ablage von Fliegeneiern in die Haut der Tiere und einem damit verbundenen qualvollen Tod.

Trommelsucht der Kaninchen und Meerschweinchen als Folge von Fehlgärungen im Blinddarm. Die Stärke wird zu Zucker abgebaut und dieser wird durch Hefen vergoren. In der Folge bilden sich Gase, die nicht entweichen können, so dass der Darm aufbläht und die Tiere hochgradige Bauchschmerzen erleiden.

Überlange Zähne: Bei der Futteraufnahme werden Körner mit den Zähnen zerquetscht und das Futter wird nicht lange genug mit den Backenzähnen gemahlen, so dass der Zahnabrieb ungenügend ist und überlange Zähne entstehen. Folge: Die Tiere entwickeln in die Zunge oder die Backenschleimhaut einspießende und einwachsende Zähne, später hochgradige Kieferabszesse. Dies ist extrem schmerzhaft und führt zu einer verringerten Nahrungsaufnahme, was vom Tierhalter häufig nicht unmittelbar bemerkt wird. Vor lauter Schmerz fressen die Tiere immer weniger, so dass das betroffene Kaninchen vor dem vollen Futternapf verhungert.

Gerade Zahnfehlstellungen sind aber das Ergebnis einer falschen Fütterung mit Körnerfutter, pelletiertem Futter und sonstigem Trockenfutter aller Art. Hierzu zählen auch die getreidefreien Produkte!

Gemäß einer Statistik der Klinischen Befunde zu den häufigsten Erkrankungen bei Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Frettchen, die zwischen 1994 und 2003 an der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Vetsuisse-Fakultät Zürich vorgestellt wurden, gehörten Zahnerkrankungen zu den häufigsten Diagnosen beim Kaninchen. Dies deckt sich mit Resultaten anderer Vergleichsstudien.

Das mediane Alter der Kaninchenpatienten lag bei über 3 Jahren, was nicht für eine angeborene, sondern für eine erworbene Zahnerkrankung spricht. Dies gilt auch für die Meerschweinchen mit Zahnerkrankungen, deren medianes Alter ebenfalls über 3 Jahren lag.

Die von der Futtermittelindustrie angebotenen Produkte sind daher nicht nur völlig überteuert, langfristig führen sie zu schweren gesundheitlichen Schäden!

Interessanterweise werden zwischenzeitlich auch immer mehr getreidefreie Produkte angeboten. Das hat aber weniger mit Anpassung der Produkte an den tatsächlichen Ernährungsbedarf zu tun, sondern ist der Steigerung der Getreidepreise geschuldet, so das zwischenzeitlich vielfach auch auf andere billige Rohstoffe ausgewichen wird. Diese werden dann kundengerecht als angeblich gesund - weil ja getreidefrei - werbewirksam vermarktet.

Überlange Backenzähne mit bereits verletzter Zunge.

 Ursache ist der mangelnde Abrieb der Zähne aufgrund falscher Fütterung.

Das Hauptfuttermittel für Kaninchen ist frisches Wiesengras und Heu.

Nur hierdurch wird der notwendige Zahnabrieb gewährleistet.

Die Tatsache, dass Futtermittelindustrie und Handel seit Jahrzehnten Körnerfutter, Pellets, Snacks und Kabberstangen für Kaninchen und Meerschweinchen mit großem Erfolg verkauft, liegt an der Tatsache, dass die Folgeerscheinungen nicht unmittelbar zeitlich auf das Futter zurückgeführt werden können.

Wer seinen Kaninchen etwas Gutes tun möchte, orientiert sich daher an ihrem natürlichen Ernährungsbedarf.

Im Idealfall füttert man seine Tiere daher mit frischen Gräsern und Kräutern, in den Wintermonaten Heu, dazu mehrere Sorten Gemüse.

Gutes Heu gibt es beim Bauern oder auf Reiterhöfen und muss den Kaninchen 24 Stunden zur Verfügung stehen.

Auch wenn Heu vielleicht "langweilig" wirkt und nicht so hübsch verpackt daherkommt:

Mit Kauf der Produkte der Futtermittelindustrie fördert man ausschließlich die Umsatzrenditen von Konzernen, keinesfalls tut man den Tieren damit etwas Gutes. Ganz im Gegenteil fördert man hierdurch nur vermeidbare Krankheiten und frühen Tod.

Jegliche Gabe von (gerade aber auch getreidefreiem) Trockenfutter bedeutete die völlige Negierung einer artgemäßen Futteraufnahme!

Veränderung der Kotkonsistenz nach Umstellung auf artgerechte Fütterung.
Gleiches Kaninchen: Unten: TroFu, oben: Nach Umstellung auf Gräser und Heu.

Der Grund der hohen Akzeptanz von Trockenfutter liegt ausschließlich in der lange Haltbarkeit, der einfachen Beschaffung und Lagerung, der zeitsparenden Fütterung, sowie dem Glauben an die Suggestion der Marketingabteilungen der Futermittelindustrie.

 


Internet"shops"

Im Internet gibt es immer mehr so genannte "Onlineshops", die vorgeblich "gesunde" Futtermischungen für Kaninchen anbieten. Diese sind zwar immerhin getreidefrei, werden  aber ebenfalls als Trockenfutter (Trockengemüse, getrocknete Kräuter etc.) oder in pelletierter Form angeboten.

Hier wird - in bewusster Irreführung der potentiellen Kunden - ein Futtermittel vermarktet, das ernährungsphysiologisch völlig sinnfrei ist.

Typische getreidehaltige Trockenfuttermischung Typische getreidefreie Trockenfuttermischung.

Auch getreidefreies Trockenfutter wird nicht zermahlen, sondern nur zerquetscht und fördert nicht den essentiell notwendigen Zahnabrieb!

Ebenso führt es durch das Aufquellen im Magen zu einer zu langen Verweildauer und somit zu Fehlgärungen.

Zu hinterfragen sich auch die verarbeiteten Pflanzen selbst, denn für die Herstellung werden in der Regel keine reinen Biofrüchte verwendet. Besonders getrocknetes Obst ist sehr anfällig gegenüber Parasitenbefall, weshalb die Früchte während des Trocknungsprozesses mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel, dem Nervengas Methylbromid, begast werden, welches im Verdacht steht, bereits in geringen Mengen krebserregend zu sein. Der Einsatz von Methylbromid ist auf den Verpackungen nicht kennzeichnungspflichtig!

Auch werden Früchte, damit sie nicht dunkel und unansehnlich werden, mit einer Schwefelverbindung behandelt, die in hohen Dosen ebenfalls gesundheitsschädigend ist.

Selbst wenn der Hersteller vermerkt, dass die verwendeten Früchte nicht geschwefelt wurden, so sei doch erwähnt, dass der Einsatz von Schwefel erst ab einer Menge von 10 Milligramm pro Kilogramm kennzeichnungspflichtig ist. Es ist also durchaus möglich, dass selbst Früchte, die nicht gekennzeichnet sind, behandelt wurden.

Der gesamte Verdauungsapparat und insbesondere die Zähne und das Gebiss der Kaninchen ist optimal spezialisiert, um Gräser, Kräuter und Rinde zu verdauen und zu zermahlen. Werden Gräser und Heu als Nahrung aufgenommen, wirkt die Okklusionskraft beim Kontakt der Backenzähne im Rahmen des Mahlens hauptsächlich horizontal und weniger vertikal. Für diese seitlich schneidende Funktion sind die Molaren durch ihre speziell gestaltete Okklusionsfläche optimal ausgerüstet und somit ausgezeichnet dazu geeignet, faserige Pflanzenanteile entsprechend zu zerreiben. Ist die Nahrung im Vergleich zu Heu oder frischen Gräsern hingegen dicker und härter (Trockengemüse, Körner, Pellets etc.), überwiegen beim Zerkleinern des Futters verstärkt vertikale Kräfte. Diese bewirken, dass sich die bereits physiologisch vorhandene Krümmung der Backenzähne verstärkt. Eine typische Zahnspitzenbildung ist die Folge und die logische Konsequenz.

Hier gelten die simplen Gesetze der Mechanik und so ist die Entwicklung von Zahnspitzen ein Prozess, der nur von der Menge des gefütterten Trockenfutters und der Zeit abhängig ist.

Typische Zahnfehlstellung aufgrund falscher Ernährung Scharfe Kanten und Spitzen haben bereits massiv die Zunge verletzt.

Gemüse Kräuter und Obst können fast jederzeit frisch im Supermarkt oder beim Bauern bezogen werden. Getreidefreies Trockenfutter gehört daher genauso wenig auf den Speiseplan der Kaninchen, wie getreidehaltiges Trockenfutter.

Ganz im Gegenteil: Während die Gabe von geringen Mengen Kraftfutter durchaus in besonderen Fällen (Päppeln von alten oder kranken Tieren) temporär eventuell notwendig sein kann, gibt es für Trockengemüse, Trockenobst etc. keinerlei Notwendigkeit. Kein Futtermittel ist dermaßen sinnfrei, wie Trockengemüse oder Trockenobst.

Die Gabe von (auch getreidefreiem) Trockenfutter bedeutete die völlige Negierung einer artgemäßen Futteraufnahme!

Trockengemüse ist keinesfalls gesund und auch nicht als "Leckerlie" in kleinsten Mengen geeignet. Gesundes Frischfutter gibt es in jedem Supermarkt.

Das Kaufargument für so genanntes "gesundes" Trockenfutter liegt ausschließlich in der Selbsttäuschung, seinen Tieren damit "etwas gutes zu tun", oder sie "verwöhnen zu wollen". Dies erreicht man aber durch Gabe von frischem Gemüse und Obst, nicht durch Gabe von Trockenfutter!

Frisches Wiesengras findet sich im eigenen Garten oder an anderen geeigneten Stellen. Zweige und Äste fördern zusätzlich den essentiell notwendigen Zahnabrieb.

Insbesondere in Internetforen werden diese Produkte mit der vollkommen irrsinnigen Begründung "getreidefrei, also gesund" angepriesen, verschachert und beworben. Das ist aber nur ein Ausdruck davon, wie wenig sich gerade in diesen sozialen Netzwerken mit den einfachsten Grundlagen der Biologie beschäftigt wird.

 


Internet und Foren

Das Internet ist voll von Seiten mit "Informationen" über Kaninchen, zudem gibt es noch diverse "Foren", die sich dem Benutzer präsentieren. Gerade hier ist eine sehr kritische Distanz und Skepsis angebracht, was Inhalt und fachliche Kompetenz der Beiträge betrifft.

So finden sich auf einigen wenigen Webseiten durchaus gute und sachlich korrekte Informationen zu Haltung, Fütterung und Bedürfnissen der Tiere, mit Masse ist hier jedoch wenig bis keine fachliche Kompetenz anzutreffen.

Insbesondere von den so genannten "Internetforen" ist aber dezidiert abzuraten. Egal, ob sie als so genannte "Tierschutzplattformen", "Tierschutzforen" oder mit anderer hochtrabender Bezeichnung daherkommen, mehr als ein unterhaltsames Tratsch- und Plauderforum ist hier nicht zu erwarten.

So sind hier keinesfalls ausgebildete Tierpfleger, Verhaltensbiologen, Tierarzthelfer oder Tierärzte anzutreffen, die entsprechend kompetent informieren und beraten, sondern ausschließlich Privatperson, die munter ihr Halbwissen zum Besten geben.

Vor allem aber muss man sich darüber bewusst sein, das man sich hier innerhalb der typischen "sozialen Netzwerke" bewegt.

Diese sozialen Netzwerke sind zunächst Treffpunkte. Kaninchenhalter finden hier ohne großen Aufwand andere Kaninchenhalter. Soziale Netzwerke vermitteln das Gefühl, dazuzugehören. Schon beim Anmelden wird man auf manchen Plattformen (oft automatisiert) willkommen geheißen: "Hey, schön, Dich bei uns zu haben!"

In sozialen Netzwerken geht es den meisten Nutzern aber primär um Popularität und persönliche Anerkennung. Das Motto der digitalen Netzwerker heißt fast immer: Je mehr "Freunde" Du hast, desto wichtiger, einflussreicher und besser bist Du.

Da die Hemmschwellen im Netz oft gering sind, ist in diesen Netzwerken Tratsch, Lästerei, Neugier und eine Menge niederträchtiger Perfidität an der Tagesordnung. Nirgendwo sonst, weder in der digitalen noch in der realen Welt, kann so wirkungsvoll, effizient und nachhaltig gemobbt, ausgegrenzt und sozial vernichtet werden wie in sozialen Netzwerken. Schneller als in einem solchen System lassen sich perfide Gerüchte nicht verbreiten.

Im besten Fall hat man es mit naivem Tratsch und Selbstinszenierungen zu tun, sehr oft wird jedoch gerade durch die Aktivitäten und die Eigendynamik solcher Foren der praktische Tierschutz massiv behindert und teilweise sogar verhindert.

Man weiß nie, wer sich hinter einem Forenbenutzer wirklich verbirgt.

Denn mit praktischem Tierschutz und fachlich kompetenter Information haben Internetforen meist sehr wenig zu tun. Denn anstelle von praktischer Hilfe, wie z. B. Mithilfe bei der Versorgung von Tieren in einem Tierheim, schweißtreibenden Arbeitseinsätzen, zeitintensiver Beschäftigung mit Fachliteratur oder auch bisweilen recht trockener Literatur, wie z. B. dem Tierschutzrecht sitzt der "Internet-Tierschützer" mangels eigener konkreter Projekte daheim hinter seiner Tastatur, stellt fest, wie schlimm dieses oder jenes sei, diffamiert Menschen, seriöse Organisationen oder pflegt sein eigenes Ego.

Im realen Leben wäre solch eine Art von "Tierschutz" natürlich nicht möglich, da man hier mit Menschen zusammenarbeiten müsste, die praktische Erfahrung bei Umsetzung von Tierschutzprojekten besitzen, man sich permanent fachlich weiterbilden und verantwortungsvoll und strukturiert arbeiten müsste. Vor allem aber ist im realen Leben ein konkretes Handeln erforderlich, anstatt bequem daheim hinter der Tastatur zu sitzen.

Es wird daher wohl für immer das Geheimnis des Internet-Tierschützers bleiben, welche positiven Auswirkungen seine Schreibtischtätigkeit in Internetforen zum Schutz der Tiere haben soll.  So dient vielfach die Aktivität in diesen Foren, um den Wunsch nach Wahrnehmung der eigenen Person zu kaschieren.  Hilfreich für seriöse Organisationen und die praktische Umsetzung des Tierschutzgedankens sind solche Menschen allerdings nicht, da sie über keine praktische Erfahrung bei der Umsetzung von Projekten verfügen.

Zwar gibt es in diesen Foren auch immer den ein oder anderen Benutzer, der sich wirklich für die Tiere engagiert und ggf. Hilfestellung bieten kann. Gerade diese wenigen Benutzer aber sind es, die dazu beitragen, diesen sozialen Netzwerken eine oberflächlich betrachtete Wahrnehmung von scheinbar seriösen Engagement für die Tiere zu geben.

Denn schaut man einmal sachlich hinter die Fassade der bunten Bilder und "Hab Dich lieb Smilies" mancher so genannter "Tierschutzplattform", stellt sich die Frage, wann und wo denn nun konkret und nachhaltig Hilfe für ein Tier geleistet wird, wenn Forenbetreiber und Moderatoren permanent daheim hinter ihrer Tastatur online sind.

Das zeigt sich denn auch sehr deutlich an dem teilweise grotesken Betreiben eines Online Personenkultes innerhalb dieser sozialen Netzwerke, der in seiner exzessiven Intensität teilweise an kommunistische Regime erinnert und diesen Internetforen fast schon einen Sektencharakter gibt. So wird sich denn auch werbewirksam und forengerecht selbst inszeniert, um die Huldigungen der Forengemeinde entgegennehmen zu können. Frei nach dem Motto: "Je mehr Beiträge Du im Forum schreibst, desto toller bist Du".

Das ist menschlich natürlich durchaus verständlich. Wer möchte nicht gerne als Experte oder zumindest als kompetenter Berater angesehen werden? Auch wenn er es gar nicht ist. Für viele Menschen bieten diese Internetforen eine willkommenen Gelegenheit zur Flucht vor der realen Welt. So finden sich denn auch in diesen Foren zahlreiche Nutzer, die mit fragwürdigen Beiträgen zu glänzen versuchen oder sich mit schlecht recherchiertem Halbwissen zu kleinen Stars in ihren jeweiligen Foren aufschwingen. Was in einigen Bereichen einfach nur amüsant oder ärgerlich ist, kann in anderen Bereichen für die Tiere wirklich gefährlich werden. Denn häufig werden völlig haltlose Ratschläge erteilt.

Mit seriösem Tierschutz und ernsthaftem Interesse am Wohl von Tieren hat das alles sehr wenig zu tun.

Denn praktischer Tierschutz und Engagement für Tiere finden nun mal nicht in Internetforen statt. Die wirklich engagierten Menschen findet man z. B. in Tierheimen als Gassigänger oder mit der Schaufel in der Hand beim Misten, nicht daheim hinter der Tastatur. Diese Menschen sind einfach nur still und leise für die Tiere da, nicht für irgendwelche Internetgemeinden.

 

Auch sollte man sich von diversen so genannten "Fonds" für die Tiere nicht blenden lassen, bei denen Privatpersonen Gelder sammeln, um diese dann an so genannte "Pflegestellen" zu verteilen. Die Auswahl der Zuwendungsempfänger erfolgt nach persönlicher Sympathie, Zahlungseingänge und -ausgänge werden nur durch Zahlenangaben in den jeweiligen Foren veröffentlicht. Nachvollziehbarkeit und Transparenz ist keinesfalls gegeben. Auch eine Gemeinnützigkeit ist hier keinesfalls ein Garant für Glaubwürdigkeit, wenn man berücksichtigt, dass Finanzämter die Gemeinnützigkeit auf der Grundlage des Satzungstextes erteilen und in der Regel Bilanzen nicht prüfen.

So sollte man denn auch lieber dem örtlichen Tierheim oder seriösen Tierschutzvereinen spenden, von deren Arbeit man sich durch Besuche vor Ort auch ein Bild machen kann und deren Intention wirklich das Wohl von Tieren ist und nicht die Anerkennung der eigenen Person.

Ebenfalls sollte man gegenüber diesen sozialen Netzwerken und den dort anzutreffenden "Internet-Tierschützern" eine sehr deutliche Skepsis und Distanz wahren.

 


Tierschutzgesetz und so genannte "Mindeststandards"

Das deutsche Tierschutzgesetz und so genannte Mindeststandards sind durchaus gute und wichtige Beträge zur Verbesserung der Lebensbedingengen der Tiere. Mehr, als eine "Verbesserung" der Lebensbedingungen der Tiere garantieren diese Mindeststandards jedoch nicht, von artgerechter Haltung sind diese Mindeststandards daher weit entfernt.

So sollte man sich darüber klar sein, das diese Mindeststandards nicht von den Tieren definiert wurden, sondern von Menschen. Sie beruhen auch nicht auf den Ergebnissen der Studien von Verhaltensbiologen oder den realen Bedürfnissen der Tiere, sondern sind vielmehr - wie jede andere gesetzliche Regelung - ein Kompromiss zwischen den verschiedensten Interessensgruppen.

Und hier sind als Interessengruppe vorrangig die Massentierhalter, Züchter etc. zu nennen, da es um handfeste wirtschaftliche Interessen geht.

Denn die Politik sieht sich keinesfalls als Sachwalterin der Interessen der Tiere, sondern primär der wirtschaftlichen Interessen von Industriezweigen, die von der Ausbeutung der Tiere leben.

So sind beispielsweise die so genannten Mindeststandards bezüglich des Platzangebots für Mastbetriebe, ebenso wie für den Heimtierhalter definiert.

Auch diese Massenhaltung in Mastbetrieben ist rechtlich zulässig.

Zoohandel, Züchter, Einzelhandel und Futtermittelindustrie haben aber keinerlei Interesse an einem Wohlergehen der Tiere, sie leben vielmehr vom millionenfachen Elend der in kleinen Käfigen dahinvegetierenden Heimtiere.

Unzählige Heimtiere leben keinesfalls besser und müssen oft jahrelang leiden.

Eine Haltung von Tieren nach diesen "Mindeststandards" ist daher von artgerechter Haltung weit entfernt. Ganz im Gegenteil ist die typische "Kinderzimmerhaltung" oder "Außenstallhaltung" eines Kaninchens in einem scheinbar "großen" Käfig für die betroffenen Tiere nur ein lebenslanges Leiden.


Klischee- und Wunschvorstellungen

Sicherlich hat - besonders durch die bewusst falsche Vermarktung der Tiere durch den Handel - ein jeder seine individuellen Klischeevorstellungen von Kaninchen. Dazu gesellen sich diverse Ansprüche an die Tiere, die diese aber in der Regel nicht erfüllen können, da sie ihrem Wesen und ihrer Eigenart nicht entsprechen.

So sind Kaninchen keinesfalls anspruchslose Kuschel- und Schmusetiere. Kaninchen gehören zu den Beutetieren, dementsprechend ist auch ihre arttypische Verhaltensweise. Hierzu zählen neben der meist lautlosen Kommunikation untereinander im Besonderen das Bedürfnis nach Schutz in einem Unterschlupf und ihr ausgeprägten Fluchtinstinkt.

Typisches Sichern der Gruppe.
Bei Gefahr werden die Artgenossen durch Klopfen gewarnt
und die Tiere flüchten in den schützenden Bau.
Ist bei Gefahr ein Bau nicht mehr zu erreichen,
wird die typische "Duckhaltung" eingenommen,
da Raubvögel auf Bewegung reagieren.

So eigenen sich Kaninchen keinesfalls zum Bespielen und Herumtragen durch Kinder, denn das "Hochheben" eines Kaninchens erfolgt in der Natur ausschließlich durch Raubvögel.

Jegliche Verfolgung löst den Fluchtinstinkt aus. Denn es geht um das eigene Überleben.

Ein Hochheben wird daher von Kaninchen keinesfalls genossen, sondern bedeutet puren Stress. Das Kaninchen nimmt zu Beginn die typische Duckhaltung ein, was sich an den angelegten Ohren, den weit aufgerissenen Augen, der schnellen Atmung und erhöhten Herzfrequenz leicht erkennen lässt. Das Kaninchen versucht dann eventuell, sich durch Kratzen, Beißen und Schlagen mit den Hinterläufen zu befreien. Oft ist der  Halter dann enttäuscht, wenn ein Kaninchen so gar nicht dem Wunschbild des anspruchslosen Kuscheltiers entspricht. Dabei tut ein Kaninchen nichts anderes als seinem natürlichen Instinkt entsprechend sein Leben zu verteidigen.

Eine ebenfalls weit verbreitete Klischeevorstellung betrifft das Platzangebot für Kaninchen. Kaninchen haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Ihre Muskulatur und ihr Skelettsystem ist für das arttypische Hoppeln, laufen und Hakenschlagen ausgelegt.

Wildkaninchen verbringen viel Zeit bei der Futtersuche und sind dabei ständig in Bewegung. Hierzu gehören auch lange Sprünge und das arttypische Hakenschlagen.

Die im Handel angebotenen Käfige und Ställe entsprechen nicht dem Bedürfnis der Tiere, vielmehr bedeutet eine Haltung in solchen Käfigen und Ställen Tierquälerei. Auch mit stundenweisem Auslauf ist es nicht getan, vielmehr müssen die Tiere dauerhaft die Möglichkeit zu freier Bewegung haben. Kaninchen sind dämmerungsaktiv, d. h. ihre aktivsten Phasen liegen in den frühen Morgen- und Abendstunden.

 

Wie wenig eine Haltung in einem typischen Käfig oder Stall den Bedürfnissen dieser bewegungsfreudigen Tiere entspricht, zeigt sich sehr deutlich, wenn man Wildkaninchen in der freien Natur, oder Heimkaninchen in einem artgerecht gestaltetem Gehege beobachtet.

 

Die Haltung in einem handelsüblichen Käfig oder Stall ist Tierquälerei.

Die (auch stundenweise) Haltung in handelsüblichen Käfigen oder Ställen ist daher Tierquälerei.


Fazit

Auch wenn es scheinbar viele diverse "Informations"quellen über Kaninchen gibt, sollte man grundsätzlich sehr kritisch hinterfragen, in wie weit hier ein wirkliches Fachwissen und vor allem ein Interesse am Wohl der Tiere dahintersteht.

In vielen Fällen reicht schon die simple Überlegung "Leben Wildkaninchen auch so?", um viele Aussagen ad absurdum zu führen. Ebenfalls ist es wichtig, kritisch zu hinterfragen, welche wirklichen Interessen hinter diversen Aussagen zum Thema Kaninchen stehen.


 

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